Frau Koma kam

Es ist einfach schrecklich. Ein Amoklauf an einer Schule, einem in Sicherheit gewägtem Ort. Was hat den Täter dazu bewegt? Warum? Fragen, die wahrscheinlich nie beantwortet werden können.
Doch kommt es unter Garantie wieder zur angeblich so „längst überfälligen Debatte über Gewaltspiele und Internet“. Und das ist etwas, was erstens vorhersehbar wie ein LKW auf der Autobahn und zweitens überflüssig wie ein Kropf ist. Denn wenn man Gründe nennen soll, die zu einer solchen Tat führen können, fallen mir zuerst Waffen ein. Denn wo keine Waffe, da kein Toter. Weiter sind es natürlich soziale Probleme und wahrscheinlich auch unser geniales Schulsystem. Doch wird es für die Öffentlichkeit viel bedeutender sein, welche Musik, Computerspiele und Kleidung er gemocht hat. An Oberflächlichkeit kaum zu übertreffen. Dass gerade in Wahlkampfzeiten niemand über Waffengesetze, teure Bildungsreformen oder schlicht und ergreifend einfach mehr Schulpsychologen bzw. besser ausgebildete Lehrer sprechen möchte, finde ich beschämend. Schüler sind zum Großteil keine Wähler und daher auch keine Gefahr, wenn sie vernachlässigt werden. Die anderen (Waffenbesitzer etc.) haben eine Lobby, die vielen in der Politik Beine machen kann und wirksame Bestimmungen verhindert. Jedoch sind große soziale Probleme offensichtlich vorhanden und sicherlich nicht unbedeutend bei der Entstehung von Amokplänen.
Aber warum lenkt man die Aufmerksamkeit immer auf Internet, „neue Medien“ und Musik? Auf Bestandteile des Alltagslebens der jungen Leute also? Weil es einfach ist. Und weil die etablierten Medien Angst haben. Für viele Menschen unbekannt und gefährlich wirkend können solche Stereotypen bedient werden, um zu zeigen, dass man sich als Volksvertreter für Sicherheit und Recht einsetzt. Wieder auf Kosten der Jungen und kurzfristig gedacht. Dazu passt auch, dass fast alle Zeitungen, TV-Sender und Websites fast schon genüsslich die Meldung verbreiteten, dass er seine Tat im gefährlichen und per se bösen Internet angekündigt habe. Umso peinlicher ist die Fälschung nun, sie hat viele hinters Licht geführt. Doch wird die Sache in ein paar Monaten bei der drohenden VW-Pleite (das nehme ich jetzt einfach mal an ;-)) total vergessen sein und niemand mehr interessiert sich für Probleme der Schüler.
Die Debatte über Computerspiele wird eventuell ein bisschen länger überleben, zu diskutieren ob diese gefährlich sind oder nicht bin ich langsam müßig. Dieser Post bezieht sich auch auf die Reaktion der Medien und nicht auf mögliche Gewaltverstärker, weshalb ich hier auch nicht weiter darauf eingehen werde.

Die Nachricht selbst, ganz kurz und bündig, habe ich übrigens über twitter erfahren. Danach war ich erstmal geschockt, dann beim Öffnen des Browsers wurde man auch schon förmlich von Nachrichten überrollt. Dass dabei dauernd das Gleiche und nie Meldungen mit Substanz kamen, zeigt, dass man die Sache nicht so reißerisch angehen muss wie geschehen. So ließen sich vielleicht auch Fehlmeldungen vermeiden, wenn man zuerst prüft und dann schreibt, zuerst denkt und dann redet.
Leider wird ein Amoklauf an einer deutschen Schule wieder geschehen. Hoffentlich sind wir dann besser darauf vorbereitet, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei uns an der Schule eine Alarmstrategie gegeben hat, da „so etwas ja nur in Großstädten passiert…“.
„Frau Koma kommt“ war übrigens die Parole für einen Amoklauf in Winnenden.

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Über Samuel

17-jähriger Netznerd und Pirat. Näheres folgt noch.

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