Wahlergebnis der Piraten im Allgäu

Gestern Abend bei der Wahlparty kamen standen natürlich die Wahlergebnisse im Bund im Mittelpunkt, doch ebenfalls sehr wichtig finde ich das lokale Abschneiden unserer Partei. (Mit den bundesweit 2% haben wir übrigens einen super Start hingelegt, auch wenn die Stimmung natürlich nicht ausgelassen war.) Nunja, unsere Infostände und Plakate scheinen Wirkung gezeigt zu haben. Wir haben sogar in Balderschwang(!) eine Stimme bekommen, was insofern verwunderlich ist, als dass dies als der schwärzeste Ort der Republik verrufen ist und vor einem Jahr ein SPD-Wähler regelrecht gehetzt wurde. Auch in Haldenwang haben wir jetzt die Violetten überholt und in z.B. Wiggensbach haben wir uns von 2 Wählern bei der EU-Wahl auf 49 gestern verbessert! Wenn ich weitere interessante Dinge finde kommen die natürlich auch noch hier.

Links:
Alle Wahlergebnisse des Allgäus zum Stöbern
Piratenstammtisch Kempten

Advertisements

politische Arbeit an der Basis – erste Erfahrungen

Um diese unsägliche Sendepause hier wieder mal zu unterbrechen, möchte ich zum Abschluss dieses Sommers mal ein bisschen von meinen Erfahrungen mit der Piratenpartei und allgemein politisches Engagement schreiben. Die Piratenpartei beobachte ich schon seit geraumer Zeit im Web und habe diese auch immer sehr ansprechend gefunden, doch blöderweise ist der Mensch im Grunde faul und deshalb habe ich nur passiv mitverfolgt, was denn so läuft. Dann habe ich mich doch einmal aufgerafft und bin zum örtlichen Stammtisch gegangen (letzten Dienstag) und es war richtig toll. Interessante Leute, eine ausgelassene Stimmung und gleich mal die Organisation des Wahlkampfes hier bei uns.

Heute war dann der nächste Termin, der Infostand in der Fußgängerzone. Früh aufgestanden, in die Stadt gekommen und Fahnen aufgehängt, verbunden mit dem Auspacken von gefühlten Tonnen von Flyern über unsere Partei. Die ersten Leute sind dann auch recht neugierig gewesen und aber meist vorbeigelaufen. Das Ansprechen der Leute aus der Masse muss man natürlich erst einmal ausprobieren, aber nach anfänglicher Schüchternheit haben wir dann ordentlich Material verteilt, interessante Diskussionen geführt und auch Leute zu unserem nächsten Treffen eingeladen. Überraschend war für mich, dass auch relativ viele ältere Menschen an uns interessiert waren und mit denen wir auch spannend diskutieren konnten. Als geniale Idee hat sich eine kleine Schatztruhe aus Holz erwiesen, in der Tütchen mit Gummibären gelegt waren. Kinder kann man so prima beschäftigen und anziehen, während sich die Eltern über die Partei und deren Ziele informieren. Auch da Wort „Piraten“ dürfte durchaus einige Kinder angezogen haben.

Hier noch ein paar Fotos unseres Standes:
Infostand in der Füßgängerzone
Infostand in der Fußgängerzone

Insgesamt haben wir viel mehr Flyer losgebracht als ich je gedacht hätte, haben uns ganz gut präsentiert (denke zumindest ich *g*) und haben die Erfahrung gemacht, dass es gar nicht so schwer ist einen solchen Stand zu organisieren. Also mitlesende Piraten (oder „Piratengutfinder“) traut euch, meldet einen Stand an und bestellt Flyer und los gehts!

Vielen Dank, Zensursula

Unsere geliebte Familienministerin hat geschafft, was andere vergeblich versucht haben: Das deutsche Internet mit seinen belanglosen Blogs, langweiligen Twitterern und überhaupt gegenüber den US-Leuten hinter dem Mond lebenden Web-affinen Leuten für Politik zu interessieren. Jahrelang beklagten Zeitungen und andere immer wieder mal, dass hier politisch gar nichts geht, dass Obama in den USA so stark war, weil das Internet viel wichtiger ist als in Deutschland etc. pp. Stimmt auch alles, doch die hatten den Bush. Dass sich dort Widerstand im Netz regt und der nächste Präsident deswegen gewählt wird ist zwar nicht unbedingt eine zwingende Konsequenz, doch immerhin zeigt sich der Einfluss bekannter Blogger schon eher als hier (Michael Arrington von TC kennen in den Staaten viele, doch wem sagt der Name Johnny Häusler hier in Deutschland etwas? Eher nur denen, die sehr viel im Web unterwegs sind.). Auch in den wichtigen Blogs wie Nerdcore oder Spreeblick kümmert man sich zwar auch um Politik, doch viel Einfluss hatten deren Postings bisher allem Anschein auch nicht.

der Protest beginnt - auch offline

der Protest beginnt - auch offline


(Flickr-Direktlink/von Stephan Luckow)

Doch das ist jetzt anders. In den letzten Wochen haben sich viele in ihren Blogs, Tweets und sonstigen Kanälen gegenseitig motiviert, mobilisiert und informiert (schicke Schlagworte, nicht? ;-)). Immer wenn irgendein CDU-Politiker (vorzugsweise Schwiegersöhne von irgendwelchen Innenministern) wieder mal einen… nun sagen wir eher unqualifizierten Kommentar abgelassen hatte, war man innerhalb von Minuten auf dem Laufenden. So konnte man sich relativ einfach ein Bild von der Lage machen ohne alle Zeitungen, Blogs und weiß der Geier welche weiteren Quellen selbst im Auge zu behalten. Das erledigte man in der Community gemeinsam. Dadurch dass praktischerweise auch noch fast alle einer Meinung waren (und sind), war ein gegenseitiges Hochpushen zu beobachten und immer mehr Artikel in den (Online-)Zeitungen waren zu lesen über diese seltsamen Leute aus dem Paralleluniversum „Internet“, die plötzlich laut ihre Meinung sagten. Sogar eine Partei haben die, und sitzen schon in EU-Parlament (jaja, nicht die Deutschen, aber trotzdem) und Bundestag! Dadurch steigt natürlich wiederum das Selbstbewusstsein, auch die erfolgreiche Petition ist nicht unwesentlich daran beteiligt.
Der „politische Arm“ dieser Bewegung also (die Piraten) hat nun, so weit der Eindruck, den Onlinewahlkampf der Großparteien praktisch überflüssig gemacht (Welcher mit einer solchen Kampagne angesprochene Webuser wählt denn noch die Union oder die SPD? – Genau, fast niemand.). Wäre aber eh langweilig, jeden Tag die Pressemitteilungen auch noch bei Twitter zu lesen (oder was auch immer kommen mag). Natürlich hat die Piratenpartei kein Programm für die Regierung. Braucht sie auch nicht, da das Ziel lediglich ist, auf die Netzthemen aufmerksam zu machen und dafür zu sorgen, dass diese offen diskutiert werden. Programme können noch kommen und gehen, doch sollte man gerade am Anfang darauf achten, dass nicht Felder wie Wirtschaft oder so etwas abgedeckt werden. Hat nichts mit dem Web zu tun, spaltet die Mitglieder und zerstört allen Zusammenhalt, bevor es richtig losgehen kann.

Zensursula

Zensursula


(Flickr-Direktlink/von JaBB)

Nun ist das Gesetz durch den Bundestag, doch im Web bleibt die Stimmung, dass die Politik wieder mal alles falsch macht. Praktisch Murphys Law in Anwendung. Jetzt kommt der Teil, wo es heißt diese Stimmung langfristig durchzuhalten, weiterhin politische Kampagnen zu fahren (siehe die großartigen Ideen bei Netzpolitik.org) und mit den Piraten auch mal die „Normalbürger“ zu informieren, weiterhin gegen sinnloses zu demonstrieren und so weiter. Wenn das gelingt, werden wir bald auch eine einflussreiche Webcommunity haben sein, die mitredet, respektiert wird und schlimmeres verhindern kann. Dies muss zwar größtenteils erst noch geschehen, doch der erste Schritt ist getan: Man regt sich auf, redet über Politik und die traditionellen Medien schreiben über uns. Und das alles dank Zensursula.
Der größte Fehler den wir nun vor lauter Optimismus noch machen können ist uns zu überschätzen. Deswegen vergesst das bisher gelesene mal und lasst euch sagen:

Veröffentliche deine Meinung online und offline, gib nicht auf und mische dich ein!

Disclaimer: Eventuelle Populismen waren volle Absicht und wer welche entdeckt, darf sie gerne weiterverwenden 🙂

Petition gegen Webzensurgesetz

Auf den Seiten des Bundestages gibt es nun eine Petition, bei der man sich gegen die geplante Gesetzesänderung im Telemediengesetz von #zensursula eintragen kann. Das ganze findet sich hier und die Seiten sind wahrscheinlich aufgrund des relativ hohen Ansturms ziemlich langsam. Mitunterzeichnen ist ein Grundrecht und man muss nicht einmal volljährig sein. Wer also die Pläne der Bundesregierung fürchtet: Eintragen!
Spread the word und hoffen, dass die Sache etwas bewirkt.

Jedermann hat das Recht, sich einzeln oder in Gemeinschaft mit anderen schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständigen Stellen und an die Volksvertretung zu wenden.

Grundgesetz Art 17

DNS-Server dauerhaft umstellen

Wegen der ganzen Webzensurgeschichte von #Zensursula habe ich mir schon seit ein paar Tagen vorgenommen den Telekom-DNS-Server nicht weiter zu benutzen und auf den von FoeBuD zu verwenden. Also schnell die Datei /etc/resolv.conf umgeschrieben und ausprobiert. Es funktionierte tatsächlich, doch nach jedem Neustart stand der alte Server wieder drin. Doch nun habe ich im Ubuntuusers-Wiki einen kleinen Workaround gefunden. Man muss im Verzeichnis /etc/network/if-up.d/ ein kleines Skript in Form einer beliebig benennbaren Datei erstellen:

#!/bin/sh
cp /etc/resolv.default /etc/resolv.conf

und mit

sudo chmod +x /etc/network/if-up.d/“Dateiname“

ausführbar machen. Dann noch in /etc die Datei resolv.conf kopieren und resolv.default nennen. In dieser hinter dem Eintrag „nameserver“ den gewünschten neuen Server (z.B. 85.214.73.63 von FoeBuD) eintragen und abspeichern. Fertig.

Um die Sache zu überprüfen einfach den PC neustarten und das Tool nslookup ausführen. Das Ergebnis könnte dann so aussehen:

Ausgabe von nslookup

Ausgabe von nslookup

Weitere Infos:
CCC
FoeBuD

Frau Koma kam

Es ist einfach schrecklich. Ein Amoklauf an einer Schule, einem in Sicherheit gewägtem Ort. Was hat den Täter dazu bewegt? Warum? Fragen, die wahrscheinlich nie beantwortet werden können.
Doch kommt es unter Garantie wieder zur angeblich so „längst überfälligen Debatte über Gewaltspiele und Internet“. Und das ist etwas, was erstens vorhersehbar wie ein LKW auf der Autobahn und zweitens überflüssig wie ein Kropf ist. Denn wenn man Gründe nennen soll, die zu einer solchen Tat führen können, fallen mir zuerst Waffen ein. Denn wo keine Waffe, da kein Toter. Weiter sind es natürlich soziale Probleme und wahrscheinlich auch unser geniales Schulsystem. Doch wird es für die Öffentlichkeit viel bedeutender sein, welche Musik, Computerspiele und Kleidung er gemocht hat. An Oberflächlichkeit kaum zu übertreffen. Dass gerade in Wahlkampfzeiten niemand über Waffengesetze, teure Bildungsreformen oder schlicht und ergreifend einfach mehr Schulpsychologen bzw. besser ausgebildete Lehrer sprechen möchte, finde ich beschämend. Schüler sind zum Großteil keine Wähler und daher auch keine Gefahr, wenn sie vernachlässigt werden. Die anderen (Waffenbesitzer etc.) haben eine Lobby, die vielen in der Politik Beine machen kann und wirksame Bestimmungen verhindert. Jedoch sind große soziale Probleme offensichtlich vorhanden und sicherlich nicht unbedeutend bei der Entstehung von Amokplänen.
Aber warum lenkt man die Aufmerksamkeit immer auf Internet, „neue Medien“ und Musik? Auf Bestandteile des Alltagslebens der jungen Leute also? Weil es einfach ist. Und weil die etablierten Medien Angst haben. Für viele Menschen unbekannt und gefährlich wirkend können solche Stereotypen bedient werden, um zu zeigen, dass man sich als Volksvertreter für Sicherheit und Recht einsetzt. Wieder auf Kosten der Jungen und kurzfristig gedacht. Dazu passt auch, dass fast alle Zeitungen, TV-Sender und Websites fast schon genüsslich die Meldung verbreiteten, dass er seine Tat im gefährlichen und per se bösen Internet angekündigt habe. Umso peinlicher ist die Fälschung nun, sie hat viele hinters Licht geführt. Doch wird die Sache in ein paar Monaten bei der drohenden VW-Pleite (das nehme ich jetzt einfach mal an ;-)) total vergessen sein und niemand mehr interessiert sich für Probleme der Schüler.
Die Debatte über Computerspiele wird eventuell ein bisschen länger überleben, zu diskutieren ob diese gefährlich sind oder nicht bin ich langsam müßig. Dieser Post bezieht sich auch auf die Reaktion der Medien und nicht auf mögliche Gewaltverstärker, weshalb ich hier auch nicht weiter darauf eingehen werde.

Die Nachricht selbst, ganz kurz und bündig, habe ich übrigens über twitter erfahren. Danach war ich erstmal geschockt, dann beim Öffnen des Browsers wurde man auch schon förmlich von Nachrichten überrollt. Dass dabei dauernd das Gleiche und nie Meldungen mit Substanz kamen, zeigt, dass man die Sache nicht so reißerisch angehen muss wie geschehen. So ließen sich vielleicht auch Fehlmeldungen vermeiden, wenn man zuerst prüft und dann schreibt, zuerst denkt und dann redet.
Leider wird ein Amoklauf an einer deutschen Schule wieder geschehen. Hoffentlich sind wir dann besser darauf vorbereitet, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei uns an der Schule eine Alarmstrategie gegeben hat, da „so etwas ja nur in Großstädten passiert…“.
„Frau Koma kommt“ war übrigens die Parole für einen Amoklauf in Winnenden.

Most Wanted-Umweltsünder

Die seit dem Simpsons-Film auch in Europa bekannte US-Umweltbehörde EPA (die dort als größenwahnsinnige Institution mit einem noch größenwahnsinnigeren Chef dargestellt wird) hat auf ihrer Website eine Wanted-Liste der meistgesuchten Umweltverbrecher veröffentlicht. Die Fahndungsposter sind als pdfs abrufbar.
Die USA scheinen endlich Vernunft anzunehmen (bzw. deren Regierung) und begreifen, dass die Umwelt geschützt werden sollte. Vielleicht gibt es eine solche Veröffentlichung auch bald bei uns.

(via Scienceblogs)